Neues deutsches Rechtsverständnis?

Dass die Bundesstraße durch Löwendorf in der Zeit vom 10.06.2016 bis 12.06.2016 20.00 Uhr wegen Straßendeckenerneuerung gesperrt würde, war lange bekannt und mehrfach veröffentlicht worden. Auch die Löwendorferinnen und Löwendorfer wurden mit Hausmitteilungen darüber informiert. Die Vollsperrung der Straße war erforderlich, und für Trebbin und Löwendorf war sie wie ein Sechser im Lotto. Normalerweise wird nach einer Kanalverlegung durch den jeweiligen Abwasserverband lediglich der Baugraben wieder mit einer Asphaltschicht überzogen. Diese "Flicken" zeugen dann für immer davon, dass die Straße einmal aufgerissen war. Viel bedeutender ist aber, dass nach solch einer "Operation" die Straße niemals wieder die Güte hat, wie vorher. Durch die Nähte eindringendes Wasser friert im Winter auf und führt zu den allseits bekannten Schlaglöchern in der Straße. Das alles ist uns in Löwendorf erspart geblieben, da die Stadt Trebbin gute Argumente gegenüber dem Abwasserverband hatte, eine komplett neue Straßendecke überzuziehen, die die Haltbarkeit insbesondere bei Wintereinflüssen um Jahre verlängert.

Soweit so gut, eigentlich sollte dies die Beeinträchtigungen einer Vollsperrung an einem einzigen Wochenende mehr als entschädigen. Der Gewinn ist für alle viel größer, nicht nur für die Löwendorferinnen und Löwendorfer, sondern für alle, die die Straße nutzen wollen. Allerdings  hat das Vollsperrungswochende wieder einmal gezeigt, wie rücksichtslos und egoistisch viele Kraftfahrer sich im Straßenverkehr bewegen. Man musste sich nur kurz an der Abstellung aufhalten, um beobachten zu können, wie sich Autofahrer und Motorradfahrer nicht nur an den Sperren vorbei über die Bürgersteige (die werden dadurch noch viel schneller zerstört) illegal Durchfahrt verschafften, sondern durch eigenmächtiges Entfernen der Absperrungen die freie Weiterfahrt "erkämpften". Dabei waren an allen Umgehungsstrecken eindeutige Beschilderungen platziert, die schon weit vorher die Sperrung ankündigten und auf Umfahrungsmöglichkeiten hinwiesen. Es handelte sich an diesem Wochenende nicht um Einzelfälle, sondern es entwickelte sich zur Regel. Nicht einmal Einsicht war vorhanden, als die Verkehrsrowdies durch den Bürgermeister oder andere städtische Bedienstete auf ihren Gesetzesbruch hingewiesen wurden. In Löwendorf herrschte an diesem besagten Wochenende soetwas wie "Verkehrsanarchie". An Unverständnis nicht zu übertreffen waren dann noch die "Mittäterschaften" von vereinzelten Anwohnern, die den Durchfahrt begehrenden Kraftfahrern auch noch bereitwillig die Straßensperren beiseite räumten und - auf ihr Fehlverhalten (illegaler schwerer Eingriff in den Straßenverkehr) angesprochen - dies damit verteidigten, dass die Stadt sich ja sowieso auch nicht um das zeitnahe Mähen von Unkraut kümmern würde, damit also die Gesetzesbrüche gerechtfertigt wurden. Wo sind wir dann eigentlich angekommen? Ist es heute normal, dass man seine eigenen Rechte oder Ansprüche selbstverständlicherweise in Anspruch nehmen will, wenn man sich aber selbst daran halten muss, dieses nicht mehr einsieht?

Gesetze und Vorschriften, Verkehrsregeln und Vereinbarungen sind dazu da, das Leben der Menschen untereinander zu regeln, damit jeder die Möglichkeit hat, sich in diesem Rahmen zu entfalten, und nicht durch andere behindert, gestört, geschädigt oder benachteiligt wird. Und da eine neue Straßendecke viel Geld kostet (im Fall Löwendorfs sechsstellige Beträge) und mindestens 48 Stunden zum Aushärten benötigt, ist es eine Schädigung der Allgemeinheit aller Trebbinerinnen und Trebbiner, wenn diese Straßendecke vorher befahren wird, bzw. man zur Möglichkeit des Befahrens beihilft. Wer solche Spielregeln selbstverständlicherweise übertritt oder missachtet, der kann sich in anderen Fällen dann nicht auf ähnliche Regeln berufen. Man würde ihm nicht mehr glauben.

Im Übrigen hat der Straßenbaulastträger mittlerweile mitgeteilt, dass durch das illegale Befahren bereits Schäden an der neuen Straße entstanden sind. Gegen die Täter wird derzeit ermittelt.