Gedenken an Orazio Giamblanco

30 Jahre nach dem Angriff
Es ist das Jahr 1996. An einem Montag, es war der 30. September, ereignete sich ein furchtbares Ereignis. Dieses Ereignis war einschneidend für die Nachwendezeit in Trebbin. Auf italienische Bauarbeiter ist ein rechtsradikaler Angriff verübt worden von Trebbiner Bürgern. Dabei wurde Orazio Giamblanco in blinder Wut und Hass mit einer Baseballkeule beinahe zu Tode geschlagen und getreten. Man möchte sich die dabei fallenden Worte nicht vorstellen, und die Dynamik, die in der neonazistischen Gruppe entstanden ist. Orazio Giamblancos Leben hat sich fortan stark verändert. Er selbst und seine Lebenspartnerin Angelica haben immer nur von dem Unfall oder dem Ereignis gesprochen. Durch diesen Tag ist er jedoch für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gebunden worden. Wenige Schritte konnte er mit Unterstützung der Physiotherapeuten machen. Die spastische Lähmung und Schäden am Gehirn mit Sprachstörungen und Depressionen haben Auswirkungen für die ganze Familie gehabt. Sowohl Angelica und die Stieftochter Efi haben ihr Leben um Orazio geplant und geführt.
Orazio konnte länger leben, als es die Ärzte vorausgesagt haben. Doch letztlich ist er im Mai 2024 verstorben, und im Herbst vergangenen Jahres auch die langjährige Partnerin Angelica. Ich konnte Orazio, Angelica und Efi kennenlernen und bin dankbar für diese Erfahrung, für ihre Aufopferung, die sie ihm entgegengebracht haben. Vor 30 Jahren wurde das Leben dieser Menschen vollständig verändert. An der Gedenkstele sowie in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ist vor einer Woche ein Gedenken abgehalten worden.
Es ist unsere Aufgabe in der Demokratie, dafür zu sorgen, dass diese Baseballschlägerjahre nicht wieder zurückkehren. Wir müssen uns für Menschlichkeit und Miteinander einsetzen, für das Einstehen für den anderen und nicht in allem Fremden die Schuld oder den Schuldigen suchen. Die Unantastbarkeit der Würde eines anderen Menschen, sie zu achten und zu schützen, wie sie in Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland steht, ist Aufgabe nicht nur der staatlichen Gewalt, sondern aller Menschen. Der 30. September 2026, 30 Jahre nach dem Überfall, führt uns dies noch einmal vor Augen. Die Wahrung der Grundrechte und das Einstehen dafür ist unser aller Bestreben und Wille. Lassen Sie uns gemeinsam für ein friedliches und freundliches Miteinander eintreten.
Ronny Haase
Bürgermeister